Lucian Freud – Maler der Queen und der Nackten

britta kadolsky

Heute möchte ich von einem meiner Lieblingsmaler berichten: Lucian Freud – Maler der Queen und der Nackten. Vor 10 Jahren ist der Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud gestorben. 

Neben einem kleinen Bild von der Queen, malte er auch Berühmtheiten wie Kate MossJerry Hall, seinen Freund und Malerkollegen Francis Bacon und auch David Hockney. Er malte seine diversen Kinder, seine Mutter, seine Geliebten und seinen Hund Eli. Leigh Bowery, ein Performancekünstler und schillernder Szenetyp mit monumental großem Körper, saß oder lag dem Maler oft Modell. Eine Freundin von Bowery, die unbekannte Sue Tilley, Angestellte in einem Londoner Arbeitsamt, saß, lag und stand ihm vier Mal Modell als Nacktmodell. Aber auch der Industrielle und Mäzen Baron Thyssen-Bornemisza und Andrew Parker Bowles, der erste Ehemann von Camilla, die ja bekanntlich heute die Ehefrau von Prinz Charles ist, saßen für Freud Modell.

Ausstellungsansicht MMK, Lucian Freud, Naked Portraits, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt 2000. Curator‘s talk Rolf Lauter, CC BY-SA 4.0

Außerdem malte er auch immer wieder Selbstporträts.

Lucian Freud - Maler der Queen und der Nackten
Lucian Freud – Reflection, (Self-Portrait), 1985, CC BY-SA 2.0

Lucian Freud – Maler des Fleisches und der Schamlosigkeit

Freud malte nackte Menschen wie kein anderer: Voluminös, Berge von Fleisch und Fett, mit Cellulites, fleckigem Teint, Falten und allen Zeichen des Alterungsprozesses. Scham und Genitalien sind in aller Deutlichkeit dargestellt, ohne jedoch pornografisch zu wirken. Auch bei seinen Selbstporträts war Freud, was den eigenen körperlichen Verfall betraf, gnadenlos ehrlich. Die Süddeutsche Zeitung schrieb vor 10 Jahren in ihrem Nachruf, „dass er wie kein anderer die Hinfälligkeit des menschlichen Leibes zu zeigen imstande war und es dabei trotzdem schaffte, die Grenzen der Ästhetik nicht komplett zu sprengen.“

Lucian Freud - Maler der Queen und der Nackten
Lucian Freud, In Bed with Dog, Tate Modern London, Foto: flickr, Kandukuru Nagarjun, CC BY-SA 2.0

Lucian Freud verblüffte mit seinen Kompositionen und den ungewöhnlichen Posen, in denen er seine Modelle darstellte: er drapierte sie zwischen seine schmutzigen Maler-Lappen in der Zimmerecke oder kopfüber das Sofa herab, mit seinem Hund zusammen oder in extremer Untersicht. Andere ‚Sitter‘, so das englische und so passende Wort für ein dem Maler sitzendes Modell, durften auch einfach nur das: Sitzen. Die Queen natürlich, aber auch Freunde.

Kucian Freud, Maler der Queen und der Nackten, Selbstporträt
Lucian Freud – Reflection with Two Children (Self-Portrait), 1965, CC BY-SA 2.0

Arbeitsweise und Malprozess

Freud zeigt mit verstörendem Realismus die Hinfälligkeit des Körpers. Dem Inkarnat kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Seine Gemälde begann er mit einer Kohleskizze auf der Leinwand, vor der er immer im Stehen arbeitete. Mit einem gröberen Schweineborstenpinsel brachte er, beginnend im Zentrum des Gesichtes, die Farbe teils pastös auf die Leinwand. Für manche Partien benutzte er auch statt eines Pinsels einen Spachtel. Seine Vorliebe galt ‚den Farben des Lebens‘: also eher unauffälligen Tönen wie beige, hellgelb, ocker, braun, grau und schwarz. Außerdem benutzte er in den letzten 10 Jahren das kompakte Kremser Weiß, ein Bleiweiß ohne Gelbstich mit hoher Deckkraft: es lässt die Oberfläche wie aufgebrochen wirken und führt zu einer körnigen und krustigen Struktur.

TRAILER | Lucian Freud: Ein Selsbstporträt (2020) , YouTube

Freud war ein emsiger Maler, fast täglich stand er vor der Staffelei. Immer malte er gegenständlich, nie abstrakt. Meistens hatte er Interesse am Porträt oder am Akt, zunächst hauptsächlich an weiblichen Formen, in den letzten Jahren seines Lebens malte er jedoch auch zunehmend männliche Akte. 

Er porträtierte immer nur nach Modell, nie benutzte er Fotos. Die Modelle saßen, lagen oder standen in seinem Atelier. Dieser Prozess dauerte Monate mit manchmal mehrmaligen Treffen pro Woche. Das einzige Modell, für das der exentrische Maler sein Haus verließ, war die Queen.

Lucian Freud gilt als Erneuerer der gegenständlichen Malerei. In seinem Frühwerk (vor 1952) verfolgte er einen strengen, linearen und realistischen Stil, bevor er den malerischen und pastösen Stil (wie oben beschrieben) anwendete mit dem er auch berühmt wurde. Ab den 1980er Jahren erstellte er auch (wieder) Radierungen. Eine davon hat übrigens das Städel in seinem Besitz.

Lucian Freud - Maler der Queen und der Nackten, Selbstporträt
Lucian Freud, Man with a thistle (self-portrait), 1946, Öl auf Leinwand, CC BY-SA 2.0

Die Titel der Gemälde sind oft, ohne Hinweis auf die dargestellte Person, allgemein gehalten. Zwar betitelte Freud die Nacktporträts seiner Töchter immer mit ihren Namen.

Doch das Gemälde von Andrew Parker Bowles heißt nur The Brigadier, das von Baron Thyssen-Bornemisza: Man in a Chair, das Bild des Kunstkritikers Martin Gayford: Man with a blue scarf, ein Selbstporträt mit zwei seiner Kinder nannte Freud: Reflektion mit zwei Kindern. Das Bild Large Interior, London W.9. finde ich nicht nur wegen der geografischen Angaben verstörend – es ist ein Doppelporträt mit seiner Mutter (im Bildvordergrund im Sessel sitzend) und seiner damaligen Geliebten (im Hintergrund nackt auf einem Divan ausgestreckt). Und das im Jahr 1973.

Lucian Freud, Maler der Queen und der Nackten, Porträt Martin Hayford, Man with a blue scarf
Lucian Freud, Man with a blue scarf, Lucian Freud, Man in a Blue Scarf, 2004, John Berggruen Gallery, CC BY-SA 2.0

Lucian Freuds bewegtes Leben

Als Jude 1922 in Berlin geboren, emigrierte Lucian Freud im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 mit seiner Familie nach England. Mit 16 Jahren nahm er die englische Staatsbürgerschaft an und gilt als einer der bekanntesten britischen Maler des 20. Jahrhunderts. 1954 bespielte er zusammen mit seinem Freund und Maler-Rivalen Francis Bacon bei der 27. Biennale in Venedig den britischen Pavillon. 

Freud war zweimal verheiratet und hatte 14 anerkannte Kinder, die Dunkelziffer wird jedoch auf unglaubliche 40 bis 50 Kinder geschätzt. Bis zu 500 Frauen sollen seine Geliebten gewesen sein.

Die Eigenschaften, die ihm zugeschrieben werden, fallen dementsprechend aus: Rauflustig, sexsüchtig, medienscheu, Freigeist, Eigenbrötler, wettbegeistert (er war oft verschuldet), etc.

Lucian Freud starb am 20. Juli 2011 in London.

Fotos von: Sigmund Freud, 1921, Max Halberstadt und Lucian Freud, CC BY-SA 2.0

Spätestens seit ich 2014 die Ausstellung im kunsthistorischen Museum in Wien gesehen habe, bin ich ein totaler Fan.

Weitere tolle Bilder von Freud gibt es hier zu sehen: das LFA (Lucian Freud Archive) ist auch die Bild-Agentur die die Kunst-Urheberrechte an Lucian Freuds Bildern hat. Leider kostet das Erwerben einer Lizenz zum Posten eines einzigen Bildes 250 £ + Mwst. – das ist zu teuer für mich.

Lucian Freud – Maler der Queen und der Nackten.

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Comic-Autor, Maler, Illustrator und Plattencover-Gestalter von Udo Lindenberg Alfred von Meysenbug, einigen bekannt durch seine Comic-Bücher und die Illustration von Udo Lindenbergs Plattencovern, ist vor einem Jahr am 19. Februar gestorben. Meyse, wie er von seinen Freunden liebevoll genannt wurde, hieß… Weiterlesen

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von britta kadolsky • am

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von britta kadolsky • am

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von britta kadolsky • am

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Berlin: Kunst im legendären Technoclub Berghain

von britta kadolsky • am

Teil 1/2: Studio Berlin – Main Dancefloor, Klobar, Unisex Toiletten.  Eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst in einem der coolsten Clubs Deutschlands: das passt zusammen! Wie allgemein bekannt und x-mal erwähnt: die Clubszene liegt seit Corona brach und die Clubs kämpfen… Weiterlesen

Wo Banane drauf ist, ist Kunst drin!

von britta kadolsky • am

Die Banane ziert Eingänge zur Kunst Alle, die sich für Kunst interessieren haben die knallgelbe Spray-Banane sicherlich schon mal an einer Häuserwand gesehen. Die Banane sieht aus wie aus einem Comic entsprungen. Die sehr einfache Form in Gelb mit den wenigen schwarzen… Weiterlesen

Intensives Blau – das Markenzeichen von Yves Klein

von britta kadolsky • am

“Blue has no dimension it is beyond dimensions.” Yves Klein Intensives Blau – das Markenzeichen von Yves Klein Endlich war ich, nach der Corona-bedingten Schließung, mal wieder im Städel. Die Gegenwartskunst im unterirdischen Erweiterungsbau, den Gartenhallen, ist ganz neu gehängt worden…. Weiterlesen

Ist das Kunst oder kann das weg?

von britta kadolsky • am

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